Studie zu Neuromythen in Frontiers in Psychology

Studie zu Neuromythen in Frontiers of Psychology

Unter der Erstautorenschaft von Nina Düvel (seit 2016 studentische Hilfskraft am HML, Studierende des Masterstudiengangs Musikforschung und Musikvermittlung) ist eine Studie in dem renommierten Fach-Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht worden. Die Arbeit zur Verbreitung musikbezogener Neuromythen ist das konsequent weitergeführte Ergebnis der Bachelor-Thesis der Absolventin des Fächerübergreifenden Bachelors an der HMTM. Prof. Dr. Reinhard Kopiez und Dr. Anna Wolf betreuten die Abschlussarbeit und unterstützten die Veröffentlichung mit ihrer fachlichen und publikationsbezogenen Expertise.

Zusammenfassung:

In den vergangenen zehn Jahren ist der Einfluss der Neurowissenschaft auf die Erziehungswissenschaft gestiegen. Ihre Erkenntnisse finden Anwendung in der Entwicklung neuer Lehrmethoden. Trotz des hohen Interesses vieler Lehrer und Lehrerinnen an der Neurowissenschaft ist die Kommunikation zwischen Forschung und Schule nicht immer unkompliziert. Dies begünstigt die Entstehung sogenannter Neuromythen aus der Missdeutung neurowissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Prävalenz musikbezogener Neuromythen unter Musiklehrer_innen und –studierenden zu untersuchen. Auf der Grundlage einer intensiven Literatur-Recherche wurden 26 Thesen kompiliert und anschließend durch vier Experten evaluiert. Die nach der Bewertung durch die Experten verbliebenen Thesen wurden in sieben wissenschaftlich substantiierte und sieben nicht substantiierte (hier als Neuromythen bezeichnete) Aussagen unterteilt. Eine Gruppe von Musiklehrer_innen (n = 91) sowie eine Gruppe von im Fach Musik immatrikulierten Lehramtsstudierenden (n = 125) evaluierten die Thesen in zwei unterschiedlichen Online-Befragungen (forced choice discrimination task). Zusätzlich wurden personenbezogene Daten erhoben um mögliche Prädiktoren für die Diskriminierungsleistung zu finden. Die Identifikationsleistung der sieben wissenschaftlich substantiierten Thesen war unter Lehrer_innen (76%) und Studierenden (78%) nahezu gleich. Beide Gruppen lehnten 60% bzw. 59% der präsentierten Neuromythen als nicht zutreffend ab. Eine Sensitivitätsanalyse nach der Signalentdeckungstheorie zeigte eine Diskriminationsleistung von d’ = 1,25 (SD = 1,12) für die Gruppe der Lehrerinnen und Lehrer sowie eine Diskriminationsleistung von d’ = 1,48 (SD = 1,22) für die Gruppe der Studierenden. Beide Gruppen wiesen eine generelle Tendenz auf, die Thesen als wissenschaftlich substantiiert anzunehmen (Lehrer_innen: c = –0,35, Studierende: c = –0,41). Insbesondere buzz words wie „Gehirnhemisphäre“ oder „kognitives Enhancement“ wurden häufig als korrekt klassifiziert. Als bester Prädiktor für eine hohe Diskriminationsleistung unter den befragten Lehrer_innen offenbarte sich die Lektüre einer großen Anzahl von Veröffentlichungen über neurowissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf das Lernen (R2 = 0,06). Innerhalb der Gruppe der Studierenden konnte neben der themenbezogenen Lektüre die Anzahl der abgeschlossenen Fachsemester als starker Prädiktor dokumentiert werden (R2 = 0,16). Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Studierende wie auch Lehrende über keine zufriedenstellende Expertise in der Enttarnung musikbezogener Neuromythen besitzen. Eine tiefergehende Beschäftigung mit den Ergebnissen aktueller psychologischer und neurowissenschaftlicher Forschung wird für diese Gruppen empfohlen.

Link zum Volltext:

http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2017.00629/full

Bild: Screenshot der Veröffentlichung in Frontiers in Psychology

 

Zuletzt bearbeitet: 11.05.2017

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