Replikationsstudie zur Beliebtheit unterschiedlicher Interpretationen von Schumanns Träumerei veröffentlicht

Der amerikanische Musikpsychologe Bruno Repp führte im Jahr 1997 eine Studie zur Bewertung unterschiedlicher Interpretationen des Klavierstücks „Träumerei“ von Robert Schumann durch. Das Ergebnis: Eine (computertechnisch gemittelte) Durchschnittsversion schnitt ebenso gut ab wie die beste Individual-Interpretation. Ein Team um Anna Wolf am Hanover Music Lab replizierte nun die Studie unter stärker kontrollierten Bedingungen.

Repp ließ 1997 insgesamt zehn Individual-Interpretationen sowie eine computertechnisch gemittelte Version beurteilen. Die Durchschnittsversion wurde durch die Versuchspersonen für genauso gut wie die beste individuelle Interpretation befunden. Der Autor begründete dies mit mit der sogenannten Minimal-Distance-Hypothese: Die gemittelte Version zeichne sich durch die geringste Entfernung von unserer Idealvorstellung einer Interpretation aus und werde daher bevorzugt.

Anna Wolf, Reinhard Kopiez, Friedrich Platz, Hsin-Rui Lin und Hanna Mütze replizierten die Studie von Repp unter Verwendung der originalen MIDI-Dateien sowie unter stärker kontrollierten Bedingungen. Insgesamt 205 Versuchspersonen (84 aus Deutschland, 121 aus Taiwan) mit einer Vorliebe für klassische Musik beurteilten jeweils vier Individual-Interpretationen sowie die gemittelte Interpretation hinsichtlich ihres musikalischen Ausdrucks, Tempos, ihrer Dynamik sowie ihrer Gesamtqualität auf einer mehrstufigen Skala.

Noch deutlicher als bei Repp zeigte sich die Durchschnittsversion als die "erfolgreichste". Taiwanesische und deutsche Versuchsteilnehmende wichen in ihren Einschätzungen nicht bedeutsam voneinander ab.

Die Studie trägt den Titel Tendency towards the average? The aesthetic evaluation of a quantitatively average music performance: A successful replication of Repp’s (1997) study. Sie ist unter http://mp.ucpress.edu/content/36/1/98 nachlesbar.

 

Zuletzt bearbeitet: 19.09.2018

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